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Du willst einen fetten Gitarrensound? Nimm so wenig Gitarren wie nötig auf!

Auf der Suche nach DEM fetten Gitarrensound, dem “Wall of Sound” schlechthin, steht für viele , wenn es um die Gitarrenaufnahme geht , schnell fest: Ich brauche tonnenweise Gitarrenspuren, muss doppeln ohne Ende, dann am besten noch einmal die Powerchords und den Grundton unter den jeweiligen Akkord legen und dann weit auseinanderpannen. Dann passt das. So machen das die Profis auch.

Ist das so…?

 

Gerade im Rock- Hardrock aber auch im Pop -Bereich ist man oft auf der Suchen nach dem druckvollen Gitarrensound, der drückt und ordentlich Schub gibt. Und um das zu erreichen nehmen wir immer mehr Gitarren auf in der irrigen Annahme “Eine Gitarre klingt gut, dann klingen mehrere Gitarren besser”. Das Dumme ist nur, dass dies im Prinzip ein großer Trugschluss ist. Ich will erklären warum.

Es ist eigentlich logisch. Je mehr Spuren wir aufnehmen, desto lauter wird der Mix auch werden, desto mehr Schallinformationen haben wir, desto mehr Frequenzen, die sich bei bei mehr Instrumenten auch immer mehr überlappen haben wir. Aber am Ende des Tages bzw. des Mixes muss diese massive Soundwand durch ein ziemlich schmales Nadelöhr: Durch den Stereo-Output unseres Mischpults. Letzendlich müssen wir also unsere drei oder sogar vierfach gedoppekten Gitarranspuren plus alle anderen Instrumente und Gesang durch diesen engen Tunnel pressen.

Was hat das zur Folge?

Eher Unerwünschtes, nämlich viele Instrumente und Spuren, die gegeneinander um ihren Platz im Frequenzspektrum kämpfen und sich infolgedessen auch teilweise auslöschen. Sprich: Einige Parts werden im Gesamtmix schlichtweg verschwinden oder maskiert. Bei dem Versuch das zu vermeiden greifen wir massiv mit ausgeklügeltem Panning und dem EQ in unsere vielen Gitarrenspuren ein, wir heben bestimmte Frequenzen, der einen Spur an, senken die einer anderen ab und addieren somit im Prinzip nur noch mehr Lärm zu unserem Gesamtmix dazu und machen uns damit unseren Job beim Mixen auch immer schwerer. Mit jedem Gitarrenpart, den wir doppeln, machen wir es auch schwer den ursprünglichen Gitarrenpart zu hören. Deswegen, was Gitarrenparts betrifft tatsächlich weniger oft mehr.
Und was hat es zur Folge, wenn wir weniger Gitarren einspielen?

Wir werden zu etwas essentiell Wichtigem gezwungen: Ein gutes Arrangement zu machen. Ein guter Arrangement ist der erste wichtige Schritt zu einem guten Mix. Ein gutes Arrangement, in dem jedes Instrument in jedem Part des Songs seinen Platz hat lässt sich wesentlich einfacher und zügiger mischen. Wenn du nicht Tonnen von Gitarrenspuren zur Verfügung hast um Druck zu erzeugen wirst du auch gezwungen sein, die wenigen Parts, die du hast durchdacht zu mischen und einzusetzen.

Ein überladenes, mit (Gitarren-) Spuren zugepacktes Arrangement ist letztendlich auch ein Beweis der Faulheit beim Arrangieren. Denn Eindruck, Wiedererkennungswert und druckvollen Sound erreicht man nicht nur über Lautstärke, sondern durch ein gut durchdachtes Arrangement. Jede Gitarrenspur hat ihren Platz und ihren Sinn im Mix.

Gnaz einfach kann man das in seinem Mix so testen: Mute in deinem Mix einmal die einzelnen Gitarrenspuren nacheinander. Fehlt dann etwas im Mix, ist die Spur essentiell. Fällt es nicht wirklich auf, wenn du die Spur mutest, ist sie höchstwahrscheinlich überflüssig.

Woher weiß ich, ob mein Song “gut” ist?

Egal auf welches Songwriting-Oder Musikerforum du dich heutzutage begibst, ein Großteil der Interaktionen dort besteht aus Beiträgen von Leuten, die auf ihre Songs verlinken, mit der Bitte man möge ihre Songs beurteilen bzw. konstruktiv kritisieren. Von anderen Leuten, Freundne oder BandmitgliedernVorschläge einzuholen was du an deinem Song noch besser machen kannst, ist mit Sicherheit keine schlechte Idee, aber darum soll es in diesem Post nicht hauptsächlich gehen. Ich möchte heute eher darüber sprechen, warum so viele Songwriter eben diese Frage in besagten Foren stellen. Das bedeutet nämlich, dass sich offensichtlich viele Songwriter  nicht wirklich sicher sind ob ihre Songs “gut” sind, den meisterten fehlt wohl die Überzeugung und das Selbstbewusstsein u zu sagen : “Ich denke, ich habe hier einen wirklich guten Song geschrieben”.

Klar, wir alle wollen geliebt werden, wollen Bestätigung in unserem Tun, unseren Songs bekommen, aber trotzdem sind wir uns darüber im Klaren, dass

  • nicht jeder unsere Songs mögen wird
  •  nur weil ein paar Leute unsere Songs tatsächlich hassen bedeutet, dass sie  schlecht sind; und
  • nur weil ein paar Leute unsere Songs lieben bedeutet , dass sie gut sind

Wenn also nicht alle unsren Song mögen und, wenn esstimmt, dass ein Song gut sein kann, obwohl manche Leute ihn hassen, woher wissen wir dann überhaupt ob wir einen guten Song geschrieben haben?

 

Die Definition von “gut”

Es kommt hierbei natürlich sehr darauf an was wer als “gut” empfindet. Die meisten Songs müssen, um als “gut” zu gelten, den Zuhörer neugierig machen, ihn dazu anhalten den kompletten Song anzuhören. Allerdings ist diese Aussage sehr vage und nicht wirklich als Indikator zu gebrauchen ob ein Song gut ist.

Aber es gibt trotzdem ein paar Hilfestellungen, mit Hilfe derer du durchchecken kannst, ob du deinen Song gut arrangiert hast, bzw. ob der Text gut gemacht ist:

 

  • Höre deinen Chorus/ Refrain einzeln an und stelle dir folgende Fragen dazu: Hat er eine interessante, individuelle, eingängige Melodie die schnell ins Ohr geht, einen gut zu nach zu vollziehenden Rhythmus und nicht allzu komplizierte Akkordwechsel?
  • Höre deinen Pre-Chorus/Lift mehrfach einzeln an und stelle dir folgende Fragen: Leitet dieser Songpart sauber in den Chorus über, Bus. lässt er den Hörer förmlich nach dem Chorus betteln?
  • Vergleiche die Melodieführung der Verse und deines Refrains: Ist im Chorus eine klare Spannungssteigerung der Melodie, zum Beispiel in Form von höheren Tönen feststellbar?
  • Überprüfe die Akkordfolgen in jedem Teil deines Songs: Die Chord-Progressionen und der Rhythmus in Versen und Bridge dürfen gerne etwas verspielter sein und den Hörer auch überraschen. Beim Chorus solltest du aber mit prägnanten, einprägsameren Akkordfolgen und einem knackigen, klar strukturiertem Rhythmus  für den Zuhörer gut verständlich   zum Punkt kommen
  • Vergleiche deine Vers Lyrics mit denen deines Refrains: Auch hier sollte man eine klare Steigerung erkennen können, die Verse erzählen die Geschichte, im Refrain sollte der Songtext seinen prägnanten Höhepunkt haben

Nicht dass wir uns falsch verstehen, es ist immer hilfreich sich Feedback von deren zu holen, ich habe allerdings auf vielen Foren erlebt, dass die Songwriter nach diesen Beurteilungen und, meistens gut gemeinten Kritikpunkten, noch viel unsicherer sind als davor und ihren Song dann lieber gar nicht veröffentlichen. Bedenkt, dass auch die Leute, die eure Songs oder eure Songtexte auf öffentlichen Foren kommentieren in den meisten Fällen keine Profis sind und nach ihrem eigenen Musikgeschmack beurteilen.

Bevor ihr also das nächste Mal einen Song in einem Forum einstellt und die Leute bittet ihn zu beurteilen; besucht euren Song selbst objektiv und kritisch zu beurteilen, am besten ein paar Tage, nachdem ihr das erste Demo aufgenommen und den Song eine gewisse Zeit gar nicht  angehört habt, damit ihr genügend Abstand habt. Notiert euch dann was euch gefällt, aber eben auch was euch nicht gefällt und versucht Text und Arrangement zu optimieren. Wenn ihr dann immer noch der Überzeugung seid, dass ihr einen guten Song geschrieben habt, solltet ihr euch nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen was andere Leute, die eventuell noch einen ganz anderen Musikgeschmack haben, über euren Song denken.

Die besten Kritiker sind sowieso meistens andere Songwriter und zwar solle, die ihr Handwerk wirklich verstehen. Die wissen nämlich selber, dass es nicht leicht ist einen guten Song zu schreiben und äußern ihre Kritik deswegen konstruktiv und respektvoll. Es wir immer unterschiedliche Meinungen über deine Songs geben, denn Musik ist und bleibt nun mal Geschmackssache. Wichtig ist letztendlich, dass du von deinen Titeln überzeugt bist und dich gut damit fühlst.